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Bürgerversicherung 06.01.2018

Montgomery: Vorwurf der Zweiklassen-Medizin ist gefährliche Falschaussage

Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery hat vor immensen Kosten im Falle eines Umstiegs auf eine Bürgerversicherung gewarnt. "Bei der günstigsten Lösung würde der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung von heute durchschnittlich 15,7 auf dann 16,7 Prozent steigen - nur für einen Systemwandel, der nichts in der Gesundheitsversorgung verbessert", sagte Montgomery in der Rheinischen Post (Samstagsausgabe). Zudem würde das Sozialversicherungssystem völlig unnötig von den Füßen auf den Kopf gestellt. Den Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin bezeichnete Montgomery als gefährliche Falschaussage. "Das deutsche Gesundheitssystem ist mit Abstand das gerechteste System, was Umfang und Qualität der Leistungen betrifft und es garantiert den Zugang aller Bürger zur Versorgung."

Um das Gesundheitssystem fit für die Zukunft zu machen, müsse die neue Bundesregierung Herausforderungen bewältigen, die sich sich beispielsweise aus der demografischen Entwicklung ergeben und die im Personalmangel und der schlechten Bezahlung in der Pflege liegen. Sorge bereitet dem Bundesärztekammer-Präsidenten auch die zunehmende Gewalt gegen Ärzte. "Wir erleben derzeit eine totale Verrohung bei einigen Patienten und ihren Angehörigen gegenüber medizinischem Personal." Das sei auch im Umfeld der Silvester-Feiern wieder deutlich geworden, als Rettungssanitäter und Notärzte angegriffen worden seien. Auch in den Notaufnahmestellen würden Patienten wegen der Wartezeiten sehr aggressiv. In einigen Krankenhäusern gebe es bereits Sicherheitsdienste, um das Personal zu schützen. "Die Politik muss dringend einen Kulturwandel befördern, damit man wieder begreift, dass diese Menschen Retter und Helfer sind", forderte Montgomery.