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Corona-Pandemie15.06.2020

Reinhardt: Zeit für Verbesserungen nutzen

Berlin - Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hält weitere Verbesserung der Mechanismen zur Pandemie-Abwehr für erforderlich. „Wir müssen jetzt die Zeit nutzen, damit wir für ein mögliches Wiederaufflackern der Corona-Infektionen und für künftige Epidemien gut gerüstet sind", sagte Reinhardt in einem Interview mit der dpa (13.6.2020). Angesichts der aktuellen Pandemie plädierte er dafür, Konsequenzen aus den bisherigen Erfahrungen zu ziehen sowie Strategien und Krisenmechanismen weiter zu verbessern.

Die Krise habe gezeigt, dass sich Europa enger vernetzen und abstimmen müsse. Das gelte für die Meldestrukturen, die technischen Plattformen der Tracing-Apps, für die Bevorratung mit Schutzausrüstung und auch für die Medikamenten- und Impfstoffentwicklung. Auch auf nationaler Ebene sieht Reinhardt Nachbesserungsbedarf: In Deutschland habe die Politik zwar vieles richtig gemacht, trotzdem bestehe auch hier Reformbedarf. So seien die Zuständigkeiten von Bund und Ländern in Krisenzeiten klar zu regeln. „Wir brauchen ein vernetztes System von Krisenstäben, das dauerhaft auf Stand-by geschaltet ist." Zudem müssten Bund, Länder, Kommunen und öffentliche Einrichtungen Pandemiepläne regelmäßig aktualisieren und zu Übungszwecken scharf schalten.

Mit Sorge betrachtet der BÄK-Präsident den im Zuge der Corona-Krise entstandenen Behandlungsstau. „Menschen mit anderen Erkrankungen haben den gleichen Anspruch versorgt zu werden, wie COVID-19-Patienten“, so Reinhardt. Daher sei es nun wichtig, wieder ein Gleichgewicht in der Versorgung herzustellen und Patienten zu ermuntern, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im stationären Bereich müsse man immer einen gewissen Überhang an Kapazitäten vorhalten und finanzieren. Das sei wie bei der Feuerwehr: „Sie kostet Geld, auch wenn sie nicht im Einsatz ist. Aber, wenn es brennt, ist sie schnell da.“

Aktuell befürwortet er weitere Lockerungen von Corona-Beschränkungen. Denn das Infektionsgeschehen spiele sich nach den bereits erfolgten Öffnungsschritten glücklicherweise auf niedrigem Niveau ab. Dabei müsse man allerdings die Auswirkungen sehr genau beobachten. Reinhardt mahnte zudem zur Zurückhaltung bei der Wiederaufnahme von Großveranstaltungen. „Damit sollten wir warten, bis es einen Impfstoff oder zumindest eine gute Therapie bei schweren Verläufen gibt. Es sind ja genau solche Ereignisse, bei denen schnell einige wenige Infizierte sehr viele Menschen anstecken können.“

Mit Blick auf den Herbst und Winter hält Reinhardt Schwankungen im Infektionsgeschehen für wahrscheinlich. „Wenn wir die Abstands- und Hygieneregeln weiter gut einhalten, kann es gelingen, ein großes Aufflackern zu verhindern.“ Die Schutzmaßnahmen seien zum jetzigen Zeitpunkt unverändert richtig und wichtig. „Daran sollte man alle erinnern und vielleicht auch ein bisschen wohlwollend ermahnen."